Wiederkunft der Eugenik? – Oder war sie niemals weg?

Euthanasie im Jahre 2022

Kann man in 45 Minuten ein so komplexes Thema wie die Entschlüsselung der menschlichen Genstruktur angemessen behandeln? Thomas Weidenbachs Bericht zeigte im August 1990 in West3: Man kann! Originaltöne einer vom Pharma-Konzern Ciba-Geigy (Schweizer Chemieunternehmen) 1962 in London ausgerichtete Konferenz über die “Zukunft des Menschen”, bei der Dutzende namhafter, nobelpreisgekürter Biologen über Techniken zur Zucht eines besseren, gesünderen Menschen diskutierten – zusammen mit aktuellen Bildern aus Genlabors in England und USA und Statements der “Gen-Jäger von 1990.

Während die Zunft 1962, elektrisiert von der DNS-Entdeckung durch Watson und Crick, ungeniert für eine neue Eugenik (unter anderem die Züchtung für Weltraumfahrten geeigneter Humanoiden) plädierte, war man dreißig Jahre später zumindest verbal etwas vorsichtiger geworden. James Watson, damals schon dabei und 1990 Leiter des “Human Genom Project” in Los Alamos, machte freilich deutlich, dass sich ihre Argumentation nicht geändert hatte: Wenn wir nur eine der “4.000 Erbkrankheiten” durch rechtzeitige Genanalyse verhindern können, fragte er, “sollen wir dann diese Hilfe nicht leisten”. Auf die Nachfrage, welche Krankheiten ihm da vorschweben, sagte er mit altersmildem Lächeln: “Zum Beispiel der Alkoholismus.”

Nun wusste Herr Watson besser als wir, dass er den großen Durst nicht durch die Herausnahme eines bestimmten DNS -Bausteins verhindern kann, und dass die Statistik bei Alkoholismus (wie auch bei Schizophrenie und Depression, denen die Gen-Jäger ebenfalls ans Zeug wollen) zwar für ein erbliches Risiko spricht, keineswegs aber für eine klare Erbkrankheit.

Das Geschäft mit den Genen

Eben hier aber liegt immer noch wie 1990 das Geschäft der Genindustrie: nicht in der Früherkennung schwerer Erbkrankheiten, sondern in der Risiko-Abschätzung nahezu jeder Krankheit. Der vom Krebsrisiko bis zur Schnupfenanfälligkeit durchgecheckte Embryo ist die Vision der Genindustrie, ein Markt, der den bisherigen (mit Gendiagnosen wurden damals schon eine Milliarde Dollar pro Jahr umgesetzt) um ein Vielfaches übersteigt. “Von hier bis zum Asozialengen, zum Arbeitslosengen, ist es nicht mehr weit”, so der Kritiker Bernd Klees, der ausmalte, was Watsons Begriff der “Hilfe” für die Welt bedeutet: kein abweichendes Verhalten, kein Dostojewskij, kein van Gogh…

Dass Unartenschutz zum Artenschutz gehört wie das Risiko zur Freiheit – dies sind simple Wahrheiten, die nobelpreisgekürten Fachidioten vom Schlage Watson offenbar nur ins (versoffen dreinschauende) Hirn geprügelt werden können. Nach dreißig Jahren hatten sie immer noch nichts verstanden, schon gar nicht ihre eigene Erbkrankheit: Den mono-kausalen, mechanischen Determinismus, für den die Spezies “Naturwissenschaftler” immer noch so hochgradig anfällig ist, dass man tatsächlich versucht sein könnte, in ihrem biologischen Inventar einmal nachzugucken…

Wie schaut es heute aus?

Der Begriff “Eugenik” sowie die im deutschen Sprachraum dafür verwendeten Synonyme “Rassenhygiene” oder “Erbgesundheitslehre” wurden zu eigentlichen Schimpfwörtern. Sie erinnern an das menschenverachtende Gedankengut im Dritten Reich, an Zwangssteri­lisationen, Eheverbote oder gar an die Ermordung von rassisch als minderwertig klassifizierten ethnischen Gruppen und von Behinderten. Francis Galton (1822–1911) prägte den Begriff “Eugenik 1883. Be­eindruckt von den damaligen Erfolgen der Tier- und der Pflanzenzucht, stellte er die Frage, ob auch die Art “Mensch” langfristig durch die Förderung der Fortpflanzung von Individuen mit “wertvollen” Eigen­schaften und durch die Verhinderung derjenigen mit “schlechten, krankhaften” verbessert werden könnte.

All diese Begriffe verwendet Klaus Schwab in seinem Buch “The great Reset” nicht, es handelt sich allerdings auch hier um genau diese Thematik. Doch schauen wir uns den Plan mal genauer an:

Was ist dieser Great Reset genau? Der Begriff wurde auf der 50. Jahrestagung des World Economic Forum (WEF) im Juni 2020 bekannt gemacht. Er wurde ursprünglich von Prinz Charles ins Leben gerufen, bevor er in die Philosophie von Klaus Schwab überging, der stilistisch einem Bösewicht aus einer dystopischen Science-Fiction gleicht und seines Zeichens Gründer und Vorsitzender des WEF ist.

Der Great Reset bezieht sich auf den Plan, die Infrastrukturen der Welt nach den wirtschaftlichen Kahlschlägen der COVID-19-Pandemie “nachhaltig” wieder aufzubauen und einen globalen Vertrag zur Verhinderung zukünftiger Pandemien zu schließen. Oder, wie es formal beschrieben wird, “eine robustere internationale Gesundheitsarchitektur aufzubauen, in der die zukünftigen Generationen geschützt sind” . Wann immer man jemanden über “den Rückbau hin zum Besseren” sprechen hört, dann bezieht sich diese Person auf den Great Reset.

Der wahrscheinlich beunruhigendste Teil beim Great Reset ist, wie sehr er den bisher gewohnten Geschäftspraktiken ähnelt, lediglich mit einer zusätzlichen Extraportion Globalismus. Die meisten Umrisse dieses Plans beinhalten eine weitere Aufweichung der Staatsgrenzen und die Schwächung individueller nationaler Autonomie zugunsten einer “universaleren Regierungsführung . Wie üblich ist es die rapid schwindende westliche Mittelschicht, der die Last für diesen “Rückbau” aufgebürdet wird und mit dem ihre Freiheiten weiter beschnitten werden, damit die vorgegebenen Quoten dieses von den Konzernmedien getriebenen Aktivismus erfüllt werden können.

Ungeachtet dessen stimmten viele Staats- und Regierungschefs, die zweifellos von Schwabs finsterer gebieterischer Garderobe im Blofeld-Look beeindruckt waren, diesem Great Reset zu. Darunter Boris Johnson, Emmanuel Macron, Angela Merkel, der Grieche Kyriakos Mitsotakis, der Holländer Mark Rutte, der Spanier Pedro Sánchez, die Norwegerin Erna Solberg und der Ukrainer Wladimir Selenskij. Und laut dem ehemaligen US-Außenminister John Kerry ist auch die Regierung von Joe Biden mit an Bord.

Bundeskanzlerin Angela Merkel steht neben dem Gründer und geschäftsführenden Vorsitzenden des Weltwirtschaftsforums (WEF) Klaus Schwab auf dessen Jahrestagung in Davos am 23. Januar 2020.
Es wird viel vom Streben nach “gerechteren und ausgeglicheneren Ergebnissen” gesprochen.

Bei internationalen Verträgen geht es immer um Machtkonzentration. Es ist eine dieser Lebensregeln für Realisten, da es in menschlichen Angelegenheiten kein Entkommen von der Machtdynamik gibt. Für echte Probleme gibt es oft keine “Wohlfühllösungen”. Sie verlangen häufig nach Lösungen, die gemein und in einem Mitteilungsblatt über Unternehmensziele nicht gut klingen. Initiativen wie der Great Reset bringen allen Nationen denselben allmählichen Verlust an Autonomie, da ihre Entscheidungsbefugnis an eine internationale, gesichtslose Körperschaft übertragen werden soll. Zweifellos ist dies bereits seit langem eine globalistische Fantasie. Die Schlüsselfrage lautet aber: Wissen die überhaupt, was sie tun?

Was diese erstaunliche koordinierte Reaktion auf die Pandemie angeht, so scheint diese in nichts anderes als eine weltweite Zwangsimpfungen für alle zu münden. Klaus Schwab sagte selbst: “Solange nicht jeder geimpft ist, ist niemand sicher.” Worauf die anwesenden neoliberalen Weltführer zustimmend nickten, um dann einstimmig das Mantra eines “globalen öffentlichen Guts” zu beten.

Klaus Schwab, der wie ein unsterblicher Bordellbesitzer in Kublai Khans Xanadu aussieht, ist in Wirklichkeit aus demselben Stoff gewoben wie ein typischer Technokrat der EU. Seine Ideen sind nicht kreativ, sondern ziemlich bieder und träge, und die Recherchen zu seiner Karriere zeigen, dass diese Ideen seit den 1970er-Jahren unverändert geblieben sind. Er hat also seit jeher immer dasselbe gepredigt. Wie eine gesprungene Schallplatte.

Schwab glaubt, dass wir für die Umwelt Lösungen finden können, ohne den Kapitalismus im Geringsten verändern zu müssen und indem wir Verträge über “gegenseitige Rechenschaftspflicht und geteilte Verantwortung, Transparenz und Zusammenarbeit innerhalb des internationalen Systems” schaffen.

Seine Idee beinhaltet einen “ethischen Kapitalismus”, wo die Exzesse des Kapitalismus irgendwie von “ethischen Interessenvertretern” in Schach gehalten werden sollen, denen die Konzerne Rechenschaft ablegen müssen. Während die bereits bestehenden Eliten und Systeme praktischerweise so bleiben, wie sie sind. Dies ist der große Plan des Weltwirtschaftsforums, der seit 40 Jahren weitgehend unverändert blieb.

Und das Ergebnis? Eine grüne Technokratie, so muss man annehmen. Mit einem vom WEF mandatierten Apparat von “ethischen Interessenvertretern”. Eine global vernetzte Organisation, die mit Ängsten vor einer drohenden Pandemie und dem CO2-Untergang regiert. Kein Teil der Gesellschaft wäre von den Edikten dieses “neuen Vertrags” ausgenommen.

Die Webseite zum Great Reset scheint kaum mehr als eine Werbung für ein modernes Leben im Hühnerstall zu sein. Das Konzept wird als kohlenstoffarmes Traumleben stilisiert, bevölkert von verweiblichten Hipstern, ohne jeglichen Verzicht auf moderne Bequemlichkeit. Man sieht schlampig aussehende neoliberale Jugendliche, findet häufige Verweise auf LGBTQ+-Werte und liest über die allgemeine Dringlichkeit bezüglich des CO2-Fußabdrucks. Die Webseite hat eine starke Anlehnung an Adbusters, den Schöpfern der Occupy Wall Street-Bewegung.

Trotz der Tatsache, dass das WEF und Davos und alle damit verbundenen Einrichtungen ausschließlich Eliteinstitutionen sind, setzt die Website auf urbanen Basisaktivismus. In seinen “Denkstudien” findet sich viel oberpeinliche Symbolik, wie zum Beispiel eine Kombination aus einer grünen und regenbogenfarbenen Flagge und tuntige Slogans wie “Wir grüßen dich, Zoom-Queen!”.

Schwab bezeichnet das Ziel des Great Reset als “die vierte industrielle Revolution”. Wobei die erste Revolution von Wasser und Dampf angetrieben wurde, in der zweiten die Massenproduktion einführt wurde und in der dritten die elektronische Automatisierung Einzug hielt. Die vierte Revolution soll die Grenzen zwischen den “physischen, digitalen und biologischen Sphären” verwischen, wobei wir wieder einmal, ohne dabei das Wort zu verwenden bei der “Eugenik”. In diese Wundertüte magischer Fortschritte packt Schwab Themen wie Künstliche Intelligenz, Robotik, das Internet der Dinge, autonome Fahrzeuge, 3D-Druck, Nanotechnologie, Biotechnologie, Materialwissenschaft, Energiespeicherung und Quantencomputer.

Eugenik heißt heute “Transhumanismus”

Das klingt nach karikiertem Optimismus, da viele dieser Technologien alles andere als sauber sind und sich de facto nicht auf einen Ausstieg aus dem Industrialismus beziehen. Darüber hinaus nutzen weniger als neun Prozent der Unternehmen maschinelles Lernen, Robotik, Touchscreens und andere fortschrittliche Technologien, die irgendwie als “alles verändernd” aufgeführt werden. Das Konzept eines Kapitalismus durch Interessenvertreter kann nicht für narrensicher erklärt werden und wird von Leuten im Silicon Valley oder jenen aus den Konglomeraten der Lieferketten zweifellos frei interpretiert.

Das Juwel in der Krone des Optimismus des Great Reset muss wohl der Glaube sein, dass das Aufkommen der Künstlichen Intelligenz irgendwie alles positiv verändern und eine kohlenstoffarme neue Welt erschaffen wird.

Im besten Fall ist dies alles nur Schall und Rauch, eine kindische Phantasie, die von einsamen Erbsenzählern ausgedacht wurde. Im schlimmsten Fall ist es der vorsätzliche Versuch einer Machtergreifung durch nicht rechenschaftspflichtige internationale Organisationen und im Hintergrund agierende Oligarchen. So oder so, der Great Reset ist eine falsche Utopie auf Kosten der individuellen Privatsphäre und Autonomie, die uns von Gebrauchtwagenverkäufern verkauft wird, die sich für Götter halten.

Transhumanismus: WEF-Gründer Schwab prophezeit “Verschmelzung physischer und digitaler Identität” Podcast von RT-deutsch

Die internationale Bewegung und Denkrichtung [des Transhumanismus] sucht nach Möglichkeiten, die biologischen Grenzen der Menschen durch den Einsatz von Technologie und Wissenschaft zu verändern und zu überwinden. Transhumanisten gehen davon aus, dass die nächste Evolutionsstufe der Menschheit durch die Fusion mit Technologie erreicht wird”

www.zukunftsinstitut.de
Kritisches Netzwerk

Ingo Trost

Ingo Trost (*31. Mai 1974 ursprünglich aus Arnsberg) ist ein deutscher freiberuflicher Journalist und Inhaber Kritisches Netzwerk und K-Networld.

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