DAS GEGENTEIL VON FREIHEIT: WESTERNHAGEN TRÄGT DEN EIGENEN MYTHOS ZU GRABE

Von Daniel Matissek -7. Februar 2022 auf ansage.org

Und wieder hat sich eine Ikone unserer Jugend, ein vermeintlich authentischer Rebell und Freigeist der wilden Siebziger, gänzlich unglaubwürdig gemacht und schlagartig sein eigenes Andenken ruiniert: Die Perversion des Begriffs „Freiheit“, die Marius Müller-Westernhagen 35 Jahre nach Veröffentlichung seines gleichnamigen späten Kultsongs nun im Zusammenhang mit der Impfung auf Instagram offenbart hat, lässt nicht nur daran zweifeln, ob er überhaupt je begriffen hat, was Freiheit eigentlich ist und worüber er damals gesungen hat.

Sondern MMW stellt seine Hymne damit auch in den Dienst einer neuen Gesundheitssklaverei, in der die Regierung definiert, wer „frei“ sein darf: nur mehr Geimpfte oder stets aufs neueste Update getrackte Geboosterte nämlich, die dann „frei“ sind von Ausgeh- und Einlassbeschränkungen, frei von Corona-Maßnahmen, frei von Berufs- und Reiseverboten. 1987 war Freiheit für Westernhagen noch „das einzige, was zählt„. Heute ist dies die Impfung – und Freiheit ein an Bedingungen geknüpfter Gnadenakt auf Widerruf für konformistisches Wohlverhalten.

Hohler Pathos, unreflektiert

Ein intellektuelles Schwergewicht war die einstige authentische Ruhrpott-Proletenröhre Westernhagen nie und genau dies schätzte sein Publikum auch in ihm. Mit „Freiheit„, als er längst Fussballstadien füllte und sat(t)uriert daherkam, begann er theatralischer und bedeutungsschwangerer aufzutreten, als reichlich aalglatter Mainstreamstar mit gegeltem Scheitel, bonbonfarbenen Anzügen und randloser Brille. Seine inzwischen totale Angepasstheit lässt vermuten, dass Westernhagen den hehren Gehalt seiner musikalisch großartigen, textlich oft holprig zusammengereimten Songs nie ernsthaft reflektiert hat. Es war nur hohler Pathos. Freiheit und Impfung? Möglicherweise erzählt er uns als nächstes, sein Song „Dicke“ sei eigentlich eine Hommage an die Magersüchtigen.

Man muss, so schmerzhaft und bitter es ist, diesen heute 73-jährigen großen westdeutschen Blues-Barden der Vergessenheit überantworten – und sollte zumindest seinen Song „Freiheit“ nie mehr spielen. Er ist ultimativ kompromittiert. Denn indem sich Westernhagen zum unkritischen Impfbotschafter gemacht hat und seinen legendären Song so mit einem autoritär-erpresserischen Impfwahn zustimmend verband, bekennt er sich zu einem „Freiheitsverständnis“, das vom NS-Zynismus jenes Begriffs (Hitler: „Deutschland soll frei werden”, KZ-Auschwitz: „Arbeit macht frei” und dergleichen) allenfalls noch graduell unterscheidbar ist: Impfen macht frei. Mit all den hehren Anlässen, bei denen Westernhagens Gassenhauer aus hunderttausend Kehlen bisher erklang – beim Mauerfall, aktuell vor allem aber bei den Grundrechtsdemonstrationen der vergangenen zwei Jahre gegen einen übergriffigen Corona-Verbotsstaat – hat das nichts im Geringsten mehr zu tun.

Quelle: ansage.org

Kritisches Netzwerk

Ingo Trost

Ingo Trost (*31. Mai 1974 ursprünglich aus Arnsberg) ist ein deutscher freiberuflicher Journalist und Inhaber Kritisches Netzwerk und K-Networld.

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