Lyrik für Gebildete, in einem Stil, der die Jugend anspricht

Wo Kilez More politisch steht, weiß mittlerweile jeder und er verarbeitet es in seinen Texten ohne drum herum zu reden. Seine Lyrik ist allerdings sehr anspruchsvoll und dürfte den Einen oder Anderen seiner Zielgruppe dazu bewegen, mal etwas zu recherchieren.

Um deine Texte komplett zu verstehen, muss man schon ziemlich gebildet sein. Dieses Album ist ein absolutes Meisterwerk. Ein ganz großer Lyriker unserer Zeit.

Weisheit von der Uni… du musst nicht alles wissen, aber du musst recherchieren können… ‚das ist das, was wir Ihnen hier beibringen…‘ andere verbaerbocken es halt 😂

Nur zwei Auszüge aus den Kommentaren unter seinem Video “Der Alchemist”, die aufzeigen welch Qualität er uns hier präsentiert. 

Im Jahre 2017 machte Kilez More auch mit der Veröffentlichung seines neuen Albums „Der Alchemist“ von sich reden. Bevor das Album in den freien Verkauf ging und Platz 30 der Charts erreichte, startete Kilez More eine Videoreihe. Hier wird die dystopische Geschichte vom Kampf des Alchemisten (dargestellt durch Kilez More) gegen ein totalitäres System erzählt. In den Videos finden sich zahlreiche Anspielungen an George Orwells „1984“ oder „Matrix“ von den Wachowski-Schwestern.



Inhaltlich geht es darum, dass sich der Alchemist in den systemkonformen Nachrichtenkanal „Sender 23“ hackt und von da aus seinen Aufruf zum Widerstand verbreitet. Genau genommen erzählt der Alchemist davon, dass er einen Virus geschaffen habe, den er auf das „System Diaboli“ der Unterdrücker loslassen wird. Im Laufe der Filme wird klar, dass es sich bei dem Virus tatsächlich um Ideen und Botschaften handelt, die der Alchemist verbreiten möchte. Seine Hoffnung liegt dabei auf der Jugend. Im Video wird bereits angedeutet, dass der „Virus“ sich auch außerhalb der teilfiktionalen Miniserie in der hiesigen Welt manifestiert hat. Abgesehen von den in dem Video gezeigten Varianten findet er sich auch in Form der Virus-Remixe wieder. Kilez More hat bekannte ältere und neuere Raptexte umgeschrieben und auf dem sogenannten „Virustape“ veröffentlicht. Das Besondere ist, dass sich Kilez More stark an die Texte und damit den Flow der Originale hält. Auf diesem Album rappt Kilez More zu dem Beat des Liedes „Alpha“ vom Rapper Kollegah und vergleicht die Repression gegen sich mit denen gegen Julian Assange. Auch das Lied „Anna“ der Gruppe Freundeskreis dichtet Kilez More um. Hierzu gibt es außerdem ein Video, in dem ein junger Mann gezeigt wird, der einen MP3-Player auf einer Bank findet.

Er setzt sich und beginnt die Musik zu hören. Auf den Kopfhören ist ein durchgestrichenes „W“ zu erkennen. Während die Musik erklingt, verändert sich die Umgebung. Nicht nur werden die Farben satter, auf den Werbetafeln kann der junge Mann nun auch neue Botschaften lesen. Aus der Burger-King-Werbung „Für dich gegrillt“ wird „Für dich gekillt“. Hinter einem Plakat mit der Aufschrift „Weihnachten – beschenke deine Liebsten“ und einem freundlichen Weihnachtsmann verbirgt sich eine hässliche Fratze und die Botschaft „Obey. Konsumiere. Kauf. Kauf. Kauf. Kauf.“ Der „Friedensaktivist“ gibt sich eine mystische Aura und wird nun der „Alchemist“.

Im Jahre 2019 scheint für Kilez More die Musik zunächst in den Hintergrund gerückt zu sein. Auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht er nun in unregelmäßigen Abständen Kommentare zum politischen Zeitgeschehen. Themenschwerpunkte sind dabei weiterhin 9/11, Ramstein und Whistleblower. Mit RT Deutsch spricht der Rapper über seine Motivation und erzählt, wen er als seine Zielgruppe betrachtet:

„Ich möchte gerade für die jungen Kids, oder gerade die Jugendlichen, oder die, die gerade noch nichts mit Politik zu tun haben, gerade dort eine Brücke schlagen und dort versuchen mit ein bisschen Charme, ein bisschen Witz, schneller und so der Wiener Schmäh quasi, damit etwas rüberzubringen, damit die Leute etwas zu triggern, damit sie sich noch mehr anschauen können.“ 

Kilez More im RT-Interview zu seinem neuen Song: “Leben und Tod des Imperialismus” — RT DE

Denkt man an das letzte Album zurück, so ließe sich vermuten, dass es Kilez More, wie eben dem fiktiven Alchemisten aus seiner Miniserie, darum ginge, seinen „Virus“ in Form von Musik unter die Leute bringen zu wollen. Kilez More hat sich in den vergangenen zehn Jahren selbst als „Truthrapper“ und „Infokrieger“, dann als „Systemfeind“ und zuletzt als „Friedensaktivist“ und „Alchemist“, bezeichnet. Er rappt über Kritik an Krieg, Überwachung und soziale Missstände. Alles Themen die durchaus konsensfähig sind. Seine Kritik bringt er sehr deutlich mit einer Weltverschwörung um die Neue Weltordnung in Verbindung, deren Ziel es ist, die Menschheit zu versklaven. Von diesem Standpunkt aus muss auch sein Engagement betrachtet werden. Dieses ist nicht einfach als Einsatz für den Frieden, sondern als Einsatz gegen die Verschwörer zu verstehen.

Kritisches Netzwerk

Ingo Trost

Ingo Trost (*31. Mai 1974 ursprünglich aus Arnsberg) ist ein deutscher freiberuflicher Journalist und Inhaber Kritisches Netzwerk und K-Networld.

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: